09.01.2020 11:11

‚denXte‘ – Die interaktive philosophische Vortragsreihe

Wie wollen wir leben?

Von: Redaktion

‚denXte‘ – Die interaktive philosophische Vortragsreihe der Heinrich-Heine-Universität lädt dazu ein, sich spielerisch an aktuellen Debatten der akademischen Philosophie zu beteiligen. Zu diesem Zweck machen namhafte Philosophinnen und Philosophen gesellschaftlich und wissenschaftlich relevante Fragestellungen in Form von Gedankenexperimenten handhabbar. So wird es möglich, auch komplexe Szenarien zu erfassen und Aspekte zu bedenken, die in Politik und Alltag häufig unberücksichtigt bleiben. Am 16. Januar gibt es im Haus der Universität das nächste Gedankenexperiment.

"Wie wollen wir leben?" überlegt Prof. Dr. Elke Brendel am 16. Januar mit dem Publikum, Foto: Dörthe Boxberg

Um erlebbar zu machen, wie diese Erweiterung der Betrachtungsweise unsere Entscheidungsprozesse bereichert, sind bei denXte-Veranstaltungen die Meinungen aller gefragt. Dazu folgen die Abende einer speziellen Dramaturgie: Nach einer kurzen thematischen Einführung werden die Teilnehmer*innen zunächst dazu eingeladen, die eigene Intuition zur gestellten Frage zu ergründen und diese anonym – per Smartphone – in eine erste Abstimmung einfließen zu lassen. Vor dem Hintergrund dieses Meinungsbildes erläutern die Vortragenden dann tiefergehende philosophische Aspekte der Problemstellung und laden die Anwesenden anschließend wieder dazu ein, abzustimmen.

So wird, neben der persönlichen Reflexion im Verhältnis zum Meinungsbild aller Anwesenden, auch der Effekt des Philosophierens für eine möglicherweise angemessenere Entscheidung nachvollziehbar. Schließlich rundet das gemeinsame Gespräch, zunächst im Plenum, später in geselligen kleinen Gruppen, den denXte-Abend ab.

In der ersten Veranstaltung diskutierten die Besucher im Haus der Universität mit Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Birnbacher ein aktuelles Problem der medizinischen Ethik im Gedankenexperiment: Bestimmte Körperfunktionen einer hirntoten Person werden mittels einer Hirnprothese aufrechterhalten. Sie atmet, ihr Herz schlägt und sie ist nicht an externe Geräte angeschlossen. Die Anwesenden stimmten interaktiv über die Frage ab: „Lebt die Person oder ist sie tot?“ Anfangs entschieden sich 74 Prozent der Anwesenden dafür, dass der Patient tot sei und 26 Prozent dagegen. Anschließend stellte Prof. Birnbacher verschiedene philosophische Aspekte der Fragestellung dar, mit dem Ergebnis, dass sich bei einer zweiten Abstimmung fast 20% der Anwesenden anders entschieden als vor der Darstellung der philosophischen Hintergründe. Bei der folgenden Diskussion wurden weitere interessante Ansätze entwickelt; beispielsweise die Möglichkeit, von Abstufungen zwischen tot und lebendig zu sprechen.

 

Das Thema der zweiten Veranstaltung lautete „Fake News“. Im voll besetzten Saal diskutierten die Besucherinnen und Besucher mit Prof. Dr. Thomas Grundmann (Köln) über das angemessene Verständnis des Begriffs: Ob als Kampfbegriff für die strategische Diffamierung politischer Gegner oder als wichtige Kategorie zur Beschreibung täuschender Nachrichten – der Ausdruck „Fake News“ ist zu einer wichtigen Vokabel zur Beurteilung von Nachrichten geworden. Dabei kommt es darauf an, was wir darunter konkret verstehen wollen: Reicht es, dass eine Nachricht bloß nicht zutreffend ist oder wollen wir den Urhebern gleichzeitig eine Täuschungsabsicht unterstellen? Was, wenn sie solche Unwahrheiten selbst glauben, es ihnen eigentlich nur um Aufmerksamkeit geht, oder etwas nicht berichtet wird, was aber berichtenswert wäre? Wieder wurden Auswirkungen verschiedener möglicher Auffassungen auf solche Fälle im Gedankenexperiment erprobt. Diesmal veränderte die philosophische Diskussion für 25 Prozent der Teilnehmenden ihre Sicht auf die Thematik besonders: Sie entschieden sich um. Auch der anschließende Ausklang des Abends, in kleineren Runden und angenehmer Atmosphäre, wurde wieder genutzt, um noch weitergehende fruchtbare Gedanken zu entwickeln. 

Die nächste Gelegenheit, die eigene Intuition auf die Probe zu stellen, bietet sich am 16.01.2020 um 19 Uhr im Haus der Universität:  

Ziehen wir authentische Erfahrungen einem künstlichen, nur vorgetäuschten Glück vor, auch wenn die wirklichen Erfahrungen nicht so freudvoll sein sollten? Im Gedankenexperiment von Prof. Dr. Elke Brendel (Bonn) werden die Anwesenden darüber diskutieren, wie wichtig die Authentizität des eigenen Erlebens ist und schließlich darüber entscheiden: „Wie wollen wir leben?“  

Weitere Informationen unter:  www.denXte.de

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