31.10.18 15:45

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

Ausgezeichnet: Eva-Ellen Sieweke, Jan Philip Schain sowie Matthias Hunold

Von: Carolin Grape

Am 31. Oktober wurden im oeconomicum gleich zwei Nachwuchsförderpreise vergeben und insgesamt drei junge Wissenschaftler ausgezeichnet. Dr. Eva-Ellen Sieweke sowie Dr. Jan Philip Schain nahmen aus Händen von Thomas Dohme, Geschäftsführer der Goethe + Schweitzer GmbH den mit insgesamt 5.000 Euro dotierten Preis der Schweitzer Fachinformationen für die „Beste Dissertation des Jahres 2017 der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät“ entgegen.

Patrick Schwarz-Schütte, Geschäftsführer der Schwarz-Schütte Förderstiftung, ehrte Jun.-Prof. Dr. Matthias Hunold mit dem Rolf-Schwarz-Schütte Förderpreis für die beste Publikationsleistung 2017 am Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE), dotiert mit 2.000 Euro.

Promotionspreis 2017 der Schweitzer Fachinformationen: (v.l.) Stifter Thomas Dohme, Preisträger Jan Philip Schain, Preisträgerin Eva-Ellen Sieweke sowie in seiner Doppelfunktion als Dekan und Doktorvater Prof. Dr. Stefan Süß.

Rolf Schwarz-Schütte Förderpreis 2017: (v.l.) Stifter Patrick Schwarz-Schütte, Preisträger Matthias Hunold sowie Dekan Prof. Dr. Stefan Süß. (Fotos: Raphael Dörck / HHU)

 

Promotionspreis 2017 der Schweitzer Fachinformationen:

Dr. Eva-Ellen Sieweke „Die Gratifikationskrise aus personalwirtschaftlicher Perspektive– Empirische Analysen zu Einflussfaktoren und Auswirkungen“

Eine zunehmende Intensivierung psychosozialer Arbeitsanforderungen (z. B. Verdichtung der Arbeit, Arbeitsunterbrechungen) führt zu einem vermehrten Stresserleben bei Arbeitnehmern. Dieses äußert sich z. B. in einem Anstieg von Fehlzeiten aufgrund stressinduzierter psychischer Erkrankungen, die neben Einschränkungen der Lebensqualität des betroffenen Individuums erhebliche betriebs- und volkswirtschaftliche Kosten mit sich bringen.

Die vielfach validierte Theorie der Gratifikationskrise erklärt die Entstehung und die Folgen von Arbeitsstress. Danach erkrankt eine Person dann, wenn sie sich stark verausgabt (etwa in Form von Engagement, Wissen, Zeit, Identifikation, Leistung und Persönlichkeit) und dafür nicht in angemessener Weise entschädigt wird (etwa in Form von ausbildungsadäquater Beschäftigung, Lohngerechtigkeit, Arbeitsplatzsicherheit, Weiterbildungs-, Karriere- und Einflussmöglichkeiten). Während gesundheitliche Folgen der Gratifikationskrise (z. B. kardiovaskulären Erkrankungen, Depressionen) breit erforscht sind, wurde ihre Bedeutung für personalwirtschaftliche Fragestellungen kaum untersucht. Diese Lücke schließt die prämierte Forschungsarbeit.

Die Ergebnisse der Dissertation zeigen, dass zum einen ein transformationaler Führungsstil des Vorgesetzten das Ausmaß der Gratifikationskrise von Mitarbeitern abmildern kann, wobei insbesondere Wertschätzung und angemessenes Feedback wichtige Faktoren sind. Zum anderen hat Kontrolle über die Arbeitszeit einen positiven Effekt: Bei Mitarbeitern die Kontrolle über die Lage, Dauer und Verteilung ihrer Arbeitszeit haben, ist ihre Gratifikationskrise geringer ausgeprägt, dies gilt insbesondere für Mitarbeiter, die zuvor keine Kontrolle über die Arbeitszeit hatten.

Dr. Eva-Ellen Sieweke, 1983 in Engelskirchen geboren, studierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Personalmanagement, Marketing sowie Arbeits- und Organisationspsychologie. Im Anschluss arbeitete sie als Human Resources Manager bei Osborne Clarke, einer internationalen Wirtschaftskanzlei in Köln. Von 2012 bis 2016 war Eva-Ellen Sieweke Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Organisation und Personal von Prof. Dr. Stefan Süß und bis März 2018 Koordinatorin der Manchot Graduiertenschule „Wettbewerbsfähigkeit junger Unternehmen“. In dieser Zeit schloss sie ihre Promotion zum Dr. rer. pol. ab. Seit April 2018 arbeitet sie als Referentin des Präsidenten und des Vorstands des Landesverbandes Nordrhein des Deutschen Roten Kreuzes in Düsseldorf.

Dr. Jan Philip Schain: “The Impact of ownership Structure on Firm and Market Performance“

Die Dissertation analysiert empirisch in vier Artikeln, wie die Eigentümerstruktur Firmen und Märkte beeinflussen. Einen besonderen Fokus legt Jan Philip Schain in seiner Untersuchung auf die Frage, wie institutionelle Investoren, zum Beispiel Hedgefunds und Private Equity Firmen, sich auf Innovationsverhalten und Produktivität von Firmen auswirken.

Spätestens seit der sogenannten Heuschreckendebatte, sind institutionelle Investoren in den Fokus der Allgemeinheit gerückt. Es gibt die Befürchtung, dass diese Investorengruppen kurzfristige Profitmaximierungsstrategien verfolgen, die zu Lasten der langfristigen Interessen der Unternehmen gehen. Jan Philipp Schain stellt in seiner Forschungsarbeit einen positiven Einfluss von ausländischen institutionellen Investoren auf die Produktivität von europäischen produzierenden Firmen fest. Dies führt ihn zu der These, dass institutionelle Investoren Finanzrestriktionen erleichtern, was zu einer höheren Produktivität führt. Er zeigt, dass besonders junge und kleine Firmen in Industrien, die zu einem höheren Grad auf Fremdkapital angewiesen sind und sich zu einem größeren Anteil mit kurzfristigen Krediten finanzieren, und in Ländern, die in einem größeren Ausmaß unter der Finanzkrise gelitten haben, von der Anwesenheit institutioneller Investoren profitieren und unbeschadeter durch die Finanzkrise gekommen sind. Fazit: Eine investorenfreundliche Politik macht weniger schlimme Folgen einer Rezession wahrscheinlicher.

Jan Philip Schain nahm 2007 das Bachelorstudium der Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Industrieökonomik in Bonn auf. 2012 schloss sich sein Masterstudium an der Toulouse School of Economics an – Abschluss 2014 als Jahrgangsbester mit Auszeichnung in der Fachrichtung „Economics of Markets and Organizations“. Es folgte sein Promotionsstudium im Rahmen des "Graduate Programme Competition Economics (DFG GRK 1974)". Zurzeit forscht Jan Philip Schain als Post-Doc an dem Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) unter anderem an dem Zusammenhang von Finanzsystemen und der realen Ökonomie.

 

Rolf Schwarz-Schütte Förderpreis für die beste Publikationsleistung 2017 am DICE:

Matthias Hunold: “Resale price maintenance and manufacturer competition for retail services”

Bei der anschließenden Preisverleihung des Rolf-Schwarz-Schütte Förderpreises 2017 erhielt Jun.-Prof. Dr. Matthias Hunold den mit 2.000 Euro dotierten Förderpreis für die beste Publikationsleistung von Nachwuchswissenschaftlern am Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE).

Matthias Hunold wird ausgezeichnet für seine Publikation “Resale price maintenance and manufacturer competition for retail services”, die 2017 im renommierten RAND Journal of Economics publiziert wurde. (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1756-2171.12165)
Darin untersucht Matthias Hunold gemeinsam mit Johannes Muthers (Universität Linz) die Anreize von Herstellern, ihren Händlern eine Preisbindung aufzuerlegen – eine aktuell insbesondere im Bereich des (Online-)Buchhandels, aber auch in anderen Bereichen des Handels kontrovers diskutierte Praxis. Wie die beiden Ökonomen zeigen können, schafft eine solche Preisbindung Anreize für die Händler, insbesondere relativ teure Bücher zu empfehlen und zu bewerben. Tendenziell führt eine solche Preisbindung zudem zu höheren Endverbraucherpreisen. Damit liefert der Beitrag nicht nur wertvolle theoretische Einsichten, sondern auch einen praktischen Diskussionsbeitrag über das Pro und Contra von Preisbindungen.

Matthias Hunold, geboren 1984 in Lüdenscheid, studierte an der Universität Mannheim von 2005 bis 2009 Volkswirtschaftslehre und war 2007/2008 Austausch-Student an der Universität Bocconi in Mailand. Danach arbeitete er am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und promovierte an der Universität Mannheim. Im Jahr 2013 schloss Matthias Hunold seine Promotion mit einer Dissertation zu wettbewerbsökonomischen Themen mit summa cum laude ab. Anschließend war er im Stab des Chefökonomen für Wettbewerb der Europäischen Kommission sowie bei einer ökonomischen Beratung tätig. Matthias Hunold ist seit September 2016 Juniorprofessor für VWL, insb. Industrieökonomik, am Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie (DICE) und beschäftigt sich aktuell vor allem mit Fragen des Wettbewerbs in der digitalen Wirtschaft.

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