28.01.2019 11:52

Neujahrsempfang - Update mit Bildergalerie

Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck mahnt Forschungsfreiheit an

By: Carolin Grape

Vor rund 700 geladenen Gästen begrüßte Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Die Rektorin äußerte sich in ihrer Rede zur Freiheit und Verantwortung von Forschung und Wissenschaft. (Neu: Update des Artikels mit umfangreicher Bildergalerie des Events):

Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck: „Die HHU begreift sich als dialogorientierte und transparente Forschungsstätte und Bildungseinrichtung, die aktiv den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sucht." (Fotos: Wilfried Meyer)

Unter den Gästen beim Neujahrsempfang: (v.l.) NRW-Justizminister Peter Biesenbach, Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck, Staatsekretärin Kerstin Griese, Anne-José Paulsen und Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Die Ehrensenatoren der Universität: (v.l.) Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, Prof. Dr. Dr. h.c. Detlev Riesner, Dr. Esther Betz, Bernd Hebbering, Prof. Dr. Hannelore Riesner, Roland Oetker und Dr. Gustav Adolph von Halem.

Staatssekretärin Kerstin Griese wurde für ihre besonderen Verdienste um die Universität bei der Namensgebung von Universität Düsseldorf in Heinrich-Heine-Universität geehrt.

Gleich zu Beginn sprach Prof. Dr. Anja Steinbeck Klartext: Sie kritisierte die Haltung von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, die "die Anwendbarkeit zur Tonika der Wissenschaft erkläre" und stellte die grundgesetzlich garantierte Forschungsfreiheit dagegen: "Forschungsfreiheit bedeutet Ergebnisoffenheit. Erst in Freiheit und Unabhängigkeit von staatlichen Vorgaben kann sich die Kreativität wissenschaftlicher Forschung entfalten und so das Fundament für Innovationen und Perspektiven kommender Generationen legen und damit die Voraussetzungen für zivilisatorischen Fortschritt schaffen." Auch in der Kunst stelle sich notwendige Kreativität nur ein, wenn man dem Künstler lediglich Papier und alle Arten von Schreib- und Malgeräten zur Verfügung stelle und geduldig abwarte, ob und welche Kunstwerke nach so manch zerrissener Skizze entstehen. Und um im Bild zu bleiben: "Ministerin Anja Karliczek hingegen möchte den Wissenschaftlern ein Ausmalbuch in die Hand drücken. Dabei mögen schöne Bilder entstehen, aber Kunst sicherlich nicht! Ein solch kurzfristiges Denken kann zu langfristigem Schaden führen."

Laut Rektorin ist die Forderung der Anwendbarkeit von Forschungsergebnissen angesichts drängender globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Überbevölkerung und Ressourcenverbrauch sowie Krankheiten ein berechtigtes Anliegen, sie darf jedoch nicht zum leitenden Motiv werden. "Grundlagenforschung hat einen Nutzen, auch wenn sie kein unmittelbares praktisches Ziel hat." Gleichzeitig appellierte sie an die Wissenschaft, sich ausreichend zu erklären. "Ich bin der Überzeugung, die Wissenschaft muss ihre gedanklichen Grundlagen, ihre Methoden und ihre Erkenntnisse in verständlicher Form nach außen sichtbar machen. Nur so kann sie am sachlichen öffentlichen Diskurs mitwirken, Vertrauen in der Bevölkerung aufbauen und die Meinungsbildung mit gestalten. Sie darf das Feld nicht anderen wirkmächtigen Interessengruppen überlassen."

Mit der NRW-Hochschulpolitik und insbesondere der Novelle des Landeshochschulgesetzes zeigte sich die Rektorin dagegen zufrieden. Sie begrüßte die Neuregelung, verbindliche Anwesenheitspflichten einführen zu können: „Sie muss in den Lehrveranstaltungen möglich sein, die den Studierenden Wissen so vermitteln können wie kein anderes Format – beispielsweise Exkursionen, Labortätigkeiten oder Veranstaltungen mit Schwerpunkt auf dem wissenschaftlichen Diskurs. Wir haben an der HHU gemeinsam mit Studierenden genaue Leitlinien verfasst, die auf unsrer Homepage abrufbar sind.“

Nachfolgend wandte Professorin Steinbeck ihren Blick auf die Erfolge der letzten zwölf Monate und skizzierte die Perspektiven der Heinrich-Heine-Universität für das Jahr 2019 in den Bereichen Forschung, Lehre und dem Profil als Bürgeruniversität.

Die HHU spielt in der Forschung weiterhin in der akademischen Bundesliga: 2018 wurde der seit 2012 bestehende HHU-Exzellenzcluster CEPLAS, der die künftige Welternährung durch Nutzpflanzen erforscht, im Rahmen der "Exzellenzstrategie" von Bund und Ländern bestätigt. Daneben konnten die Finanzierung aller HHU-Forschungsverbünde verlängert und zudem finanzielle Mittel für neue Projekte eingeworben werden. Exemplarisch stellte sie eines dieser neuen interdisziplinären Projekte vor: Künstliche Intelligenz (KI) und Data Science. Gefördert von der Jürgen Manchot Stiftung hat die Manchot-Forschungsgruppe "Entscheidungsfindung mit Hilfe von Methoden der Künstlichen Intelligenz" im Januar 2019 ihre Arbeit aufgenommen. Erstmals forschen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aller fünf Fakultäten an gesellschaftlichen, politischen, ethischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen der KI: Beispielhafte Themen sind der Einsatz von Methoden der KI bei politischen Entscheidungsfindungs- und Beteiligungsprozessen, die Untersuchung und Bewertung der Wirkung von KI auf einzelne Aspekte einer demokratischen Gesellschaft, die KI-gestützte Überwachung von Compliance in Unternehmen, das (teil)automatisierbare Recht sowie die KI-unterstützte medizinische Diagnostik und Therapieentscheidung.

Auch in die Lehre wird das Thema KI Einzug halten. An der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät wird dazu zum Wintersemester 2019/20 der neue Masterstudiengang 'Artificial Intelligence and Data Science' eingerichtet. Neben diesem spezifischen Studiengang, in dem die Studierenden jeweils eng in ein Anwendungsprojekt eingebunden werden, wird es ein Studienmodul 'KI für Alle' geben, das Studierenden aller Fakultäten grundlegendes Wissen vermittelt und ihnen zu beurteilen hilft, wie KI-Methoden in der Forschung eingesetzt werden können.

Innovative Studiengänge wie dieser tragen dazu bei, dass die HHU überaus beliebt bei den Studienanfängern ist: "Im letzten Jahr zählten wir knapp 5.000 Studienanfänger und 3.200 Absolventen. Unsere Anfängerzahlen sind überaus erfreulich. Denn während landes- und bundesweit die Anfängerzahlen leicht rückläufig sind (minus 1-2 %), haben wir sogar einen Anstieg zu verzeichnen (plus 5 %). Aus strategischer Sicht ist nun aber kein weiterer Aufwuchs geplant."

Laut Rektorin stehen zukünftig im Bereich der Lehre zwei Themen auf der Agenda: Erstens die Erhöhung des Studienerfolgs - hier wird sich die HHU auf die Studieneingangsphase konzentrieren und noch bessere Informationen zur Orientierung über Studieninhalte anbieten. Zweitens die Digitalisierung der Lehre mit dem Ziel, sowohl die Lehrveranstaltungen didaktisch weiter zu verbessern, etwa durch interaktive Übungsaufgaben, Feedback-Systeme sowie eine Mischung aus Online- und Präsenzinhalten. Prof. Dr. Anja Steinbeck: "So können wir auch die Zugangsbarrieren zum Studium zu verringern, etwa für berufstätige Studierende, Studierende mit familiären Verpflichtungen oder mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen."

Als dritten Punkt äußerte sich die Rektorin zum Profil Bürgeruniversität. Die HHU begreift sich als dialogorientierte und transparente Forschungsstätte und Bildungseinrichtung, die aktiv den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sucht, indem sie zahlreiche öffentliche wissenschaftliche Veranstaltungen anbietet, Diskussionsforen etabliert und Bürger und Bürgerinnen in Forschung und Lehre einbezieht. "Wissenschaftliche Erkenntnisse werden heute zunehmend ignoriert. Stattdessen hören wir allerorts einen gefährlichen Sirenengesang der Populisten. Auch wenn Wissenschaft nicht zur endgültigen Wahrheit führt, ist sie immer noch der beste Weg, sichere Erkenntnisse - sprich Wissen - zu erlangen. Dieses Wissen muss die Grundlage sein für die wertgebundenen Entscheidungen des Einzelnen oder auch der politischen Entscheidungsträger." Hierbei agiere die HHU ganz im Sinne ihres Namenspatrons: Heinrich Heine setzte sich für eine bürgerliche aufgeklärte Gesellschaft ein, in der die Werte von Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Weltoffenheit gelten.

Nach der Neujahrsansprache überreichte die Rektorin die HHU-Ehrenmedaillen in Anerkennung ihrer Verdienste um die Universität an Prof. Dr. Lothar Michael sowie an Kerstin Griese, Mitglied des Deutschen Bundestages und Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Arbeit und Soziales. Kerstin Griese hatte als damaliger AStA-Vorstand maßgeblich zur Namensgebung der Universität Düsseldorf nach Heinrich Heine beigetragen. Sichtlich gerührt nahm sie die Auszeichnung entgegen: "Heute ist es wichtiger denn je, sich ganz im Sinne von Heinrich Heine, für Demokratie und Toleranz, für Freiheit, für das Lernen aus unserer Geschichte und für den Zusammenhalt der Gesellschaft einzusetzen. Denn die Feinde der Demokratie sitzen inzwischen in allen Parlamenten. Ich erlebe das jede Woche im Bundestag, wenn von rechts außen unsere Demokratie verachtet und verhöhnt wird. Und dagegen müssen alle Demokratinnen und Demokraten zusammenhalten. Es ist gut, wenn die Universitäten ein Teil davon sind." Griese appellierte an die Studierenden, sich gesellschaftlich zu engagieren.

Auch dieses Jahr gewährten zwei Kurzvorträge Einblicke in die aktuelle Forschung an der Heinrich-Heine-Universität: Volkswirtschaftler Prof. Dr. Jens Südekum ging der Frage nach, ob uns Roboter zukünftig die Arbeit wegnehmen. Biologe Prof. Dr. Andreas Weber erläuterte, wie exzellente Pflanzenforschung dazu beiträgt, die Nahrungsgrundlagen einer rasant wachsenden Weltbevölkerung zu sichern.

Ein Novum bei der musikalischen Begleitung: Mitglieder des Unichores überraschten die Anwesenden mit der Performance moderner Songs, die ihrerseits schon (fast) zu Klassikern geworden sind. Auf dem Programm standen Songs von Adele, Clean Bandit sowie Elton John - Höhepunkt war die Interpretation der Bohemian Rhapsody von Queen.

Bildergalerie vom Neujahrsempfang 2019 der HHU

 

(Aktualisierung der Meldung vom 24.1.2019)

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